Die Burg

Mitten in einer bäuerlich geprägten Landschaft erheben sich zwei mächtige Türme, die eine der mächtigsten Burgenanlagen des Mittelalters ankündigen: die Burg Münzenberg. Im Volksmund wird sie liebevoll das „Wetterauer Tintenfass“ genannt. Noch heute erzählt die Ruine ihre eigene glanzvolle Geschichte, die eng verbunden ist mit dem Aufstieg einer Dienstmannenfamilie, die aus Arnsburg stammte. Der Dienstmann Konrad von Hagen und Arnsburg hatte dort seine Stammburg. Er war zwar kein Fürst oder Graf, diente jedoch dem damals mächtigsten Mann der Welt: Kaiser Friedrich I., den man wegen seines roten Bartes „Barbarossa“
nannte. Die Burg in Arnsburg genügte allmählich nicht mehr den Ansprüchen der Familie, die zu Reichtum und Macht gelangt war. Deshalb suchte man einen Ort, der eine mächtigere Burganlage, die weithin sichtbar ist, tragen sollte. Ganz in der Nähe befand sich ein Bergrücken, der unbebaut war. Diese Anhöhe, der Münzenberg, konnte durch Tausch vom Kloster Fulda in die Hände der Arnsburger gelangen. Unter der Leitung des Sohnes von Konrad von Hagen und Arnsburg entstand eine neue, größere und mächtigere Burganlage.

Sein Name sollte bald in vielen Urkunden und Verträgen erscheinen: Kuno von Münzenberg. Die Bauern und Handwerker, die in Arnsburg lebten, mussten nach Münzenberg umsiedeln, da bald nach der Errichtung der Burg auch eine neue Stadt gegründet wurde. Die Burg bot Schutz vor feindlichen Angriffen und war Wohnsitz des Burg- und Stadtherren.

Kuno von Münzenberg herrschte über das Land und die Menschen, die seinen Grund und Boden bearbeiteten. Er verließ oft seinen Wohnsitz, um sein Land zu bereisen. Außerdem begleitete er den Kaiser auf seinen Heerzügen nach Italien. Der Burgherr soll ein reicher und kluger Mann gewesen sein, der jedoch auch grausam sein konnte.
Die Burg bestand anfangs aus verschiedenen Wohn- und Wirtschaftsgebäuden, dem östlichen Bergfried, einem Wehrgang und einem Burgtor, das durch eine Pechnase gesichert wurde. Das prächtigste Gebäude ist und war natürlich das Wohnhaus der Herrschaft.

Dieser Palas mit seinen reich geschmückten Fenster- und Türumrandungen gehört zu den wertvollsten Bestandteilen der Anlage. Im Burgturm befand sich auch das Burgverlies, in dem entweder Vorräte gelagert oder Gefangene festgehalten wurden. 

Ein Brunnenschacht wurde durch das harte Basaltgestein gebohrt, um die Bewohner mit frischem Trinkwasser zu versorgen.
In späteren Jahren wurde das Aussehen durch neue Bauten verändert: Ein weiterer Palas und ein zweiter Bergfried kamen hinzu und gaben der Burg ihr heutiges Aussehen. In der Münzenberger Gaststätte "Zum Löwen" befindet sich ein Modell, das dem Betrachter einen guten Eindruck gibt, wie die Burg im Mittelalter ausgesehen haben könnte. Das Besondere an Burg Münzenberg ist jedoch, dass in späterer Zeit niemand mehr Interesse an einem weiteren Ausbau hatte, sodass alle Gebäude in ihrem ursprünglichen Zustand blieben. In den alten Gemäuern erhält der heutige Besucher deshalb einen unverfälschten Eindruck von der Bauweise des Mittelalters und der Lebensweise seiner Bewohner.
Wer mehr dazu wissen möchte, kann sich den Führer durch Burg Münzenberg „Von Pechnasen, Buckelquadern und Teufelskrallen“ oder das umfassende Werk „Münzenberg Heimat im Schatten der Burg“ online bestellen.