Der Ziehbrunnen neben der Spitalkirche

Trinkwasser war und ist ein unverzichtbares, teures Gut. Frisches Trinkwasser  konnte man nur aus Brunnen schöpfen. Das Anlegen eines Brunnens war außerordentlich schwierig und beschwerlich, da ein Schacht bis zum Grundwasser gegraben werden musste. Mit Hilfe von Eimern wurde das Wasser aus der Tiefe geholt.

An manchen Tagen standen die Bewohner in einer langen Reihe Schlange. Dann nahm man sich Zeit, um ein kleines Schwätzchen zu halten und um Neuigkeiten auszutauschen.

Das Sauberhalten des Brunnens war natürlich ganz besonders wichtig und wurde streng überwacht. Wer den Brunnen verunreinigte, sich darin zum Beispiel die Hände oder Füße wusch, wurde mit einer harten Strafe belegt.
Einige Höfe hatten außerdem einen eigenen Brunnen im Hof. Das Wasser daraus war nicht von guter Qualität und meistens verunreinigt, weil auch die Abfallgruben und Kloaken genau in dieser Ecke lagen. Die öffentlichen Brunnen standen oftmals mitten auf der Straße oder an kleinen Plätzen vor den Hoftoren. Die Ochsen- und Pferdegespanne fuhren daran vorbei. Es herrschte damals kein allzu großer Verkehr, wenn man von den Markttagen einmal absieht. 
Das Schöpfen mit Eimern war nicht ganz ungefährlich. Große Aufregung herrschte in Münzenberg, als eine Frau beim Hochziehen der Eimer kopfüber in den Brunnen gefallen war. Zum Glück kam sie mit dem Schrecken und ein paar blauen Flecken davon.
Beherzte Bürger zogen sie am Seil wieder heraus.

Der Ziehbrunnen vor dem Hospital ist der letzte seiner Art in Münzenberg. Genau so sahen die Schöpfbrunnen aus: Sie hatten eine Rolle, eine Kette und einen Doppeleimer. Der Brunnen ist aus Sandstein gemacht. Er weist eine Besonderheit auf. Die Schleifspuren auf der Seite sollen keine Auswaschungen vom Regen sein, sondern von den Bauern und Handwerker stammen, die an dieser Stelle ihre Beile wetzten, damit sie wieder die nötige Schärfe erhielten.